Was ich eigentlich arbeite…

Neulich hat mich eine Frage meiner zwei älteren Kinder (damals noch zweite und dritte Klasse Volksschule) sehr beschäftigt: “Papa, was machst Du eigentlich, was ist Dein Beruf?” Diese Fragestellung, so simpel sie auch erscheinen mag, hat mich an eine meiner ersten Vorlesungen in Software-Engineering zurückversetzt, wo wir von unserem Professor Gustav Pomberger eine ähnliche Frage gestellt bekommen haben: Er fragte damals: “Und wenn Ihr in einem Flugzeug von Wien nach Zürich sitzts, und neben Euch sitzt jemand, der von Computer keine Ahnung hat, wie erklärt Ihr ihm, was Ihr macht?”

Ich habe mir vorgenommen, die Frage meiner Kinder ernst zu nehmen und ausführlich zu beantworten. Und da in den Klassen meiner Kinder gerade verschiedene Berufe durchgemacht wurden, habe ich ihnen angeboten, sie in ihren Klassen zu besuchen und zu zeigen, was ein Software-Entwickler macht. Nun war dies ein doppelt herausforderndes Unterfangen: zum einen sollte es für Kinder verständlich sein, zum anderen wollte ich natürlich meine Kids in Ihren Klassen nicht blamieren, also musste es auch Spaß machen.

Scratch

Mein Ziel war, mit einer simplen, kindgerechten Programmiersprache die Schritte, die ich beim Programmieren mache, vorzuzeigen, und am besten so, dass die Kinder auch mitmachen konnten. Zum Glück fand ich scratch, eine graphische Programmierumgebung für Kinder, herausgegeben vom MIT. Für diese Programmierumgebung gibt es auch zahlreiche Lehrunterlagen im Web, und ich fand auch eine passende Unterlage für eine Schnupperstunde: Fang-die-Maus vom Schweizer Kinderlabor.

Anhand der Aufgabenstellung erklärte ich den Kindern, dass wir Programmierer eine Aufgabe in Teilschritte zerlegen müssen und dann die einzelnen Befehle dazu wieder zusammensetzen müssen (Analyse und Synthese). Dies geht mit dem Programm scratch ja sehr anschaulich. Die Aufgabenstellung von “Fang-die-Maus” ist auch sehr einfach, sodass jedes Kind die Schritte nachvollziehen kann: Richtung-ändern und Bewegen. Bereits nach dem ersten Beispiel, das ich am Computer vorzeigte, wussten die ersten Wiffzacks, wie das Spiel funktioniert, und die weiteren Beispiele lösten die Kinder selber. Jeder wollte ein Beispiel probieren, aber leider konnten es nicht alle am Computer selber versuchen, die Zeit war zu kurz.

Ich war verblüfft, wie schnell und spielerisch die Kinder heraus gefunden hatten, wie Scratch funktioniert, und mit wieviel Spaß sie ans Werk gingen. Ich habe auch gemerkt, wie sie die Aufgabe (Objekt durch einen Hindernisparcour steuern) beschäftigte und zum Denken anregte.

Mein Fazit: Mit anschaulichen Entwicklungsumgebungen können wir unseren Kindern unseren Job so vermitteln, dass es ihnen auch Spaß macht und sie begreifen, welche gedanklichen Schritte für das Programmieren nötig sind.